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07.03.2007, 22:56 Uhr
graf von monte christo
Administrator
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Sozialskandal in Freiberg/Sachsen
Alle wissen es und diskutieren, suchen nach Lösungen: Deutschland wird älter ! Das Problem hat allerdings Freibergs Stadtväter noch nicht erreicht. Wo verantwortungsvolle Politiker und Kommunen sich dieser Aufgabe stellen und versuchen, den altersgerechten Wohnungsbestand zu erhöhen, beschließen die Stadträte in Freiberg: Wir reißen 331 altersgerechte Wohnungen ab. Ein Anteil von sage und schreibe 30 % der insgesamt geplanten 1000 Abrisswohnungen im Stadt-Umbau. Dummheit? Verantwortungslosigkeit? Oder steckt Profitgier dahinter? Kurze Erläuterung: Den Abriß von 1000 Wohnungen muß man angeblich vollziehen. Ein unseliger Deal mit dem Bauverein Darmstadt - quasi ein Scheinverkauf zum Altschuldenabbau – mit Rückkaufpflicht, führte nach Prozessen fast zur Insolvenz der Städtischen Wohnungsgesellschaft (SWG). Aber Vergleich: Abgabe von 49 % des Kapitals und endlose totale Gewinnabführung an die Darmstädter. Und die interessiert nur die Eintreibung des Geldes. Bei der krampfhaften Suche nach Abrißwohnungen – das Ziel 1000 war noch nicht erreicht – wurde das dünnste und schwächste Brett gesucht: Altersgerechte Wohnblöcke mit zu viel Aufwand für Reparatur und Modernisierung- wie sie sagen, der sich nicht mehr rechne! Und vorerst über 60 nunmehr noch über 50 alte( 80 Jahre und älter), kranke und blinde d.h. behinderte Bürger, die sich nicht wehren können- sagen wir. Dazu gehört z.B. das altersgerechte Haus Kurt-Handwerstraße 2, Erstbezug1989- weiß Gott nicht abbruchreif. Es hat zwei Fahrstühle, einen Gemeinschaftsraum mit Küche, Schwesternstation der Betreuungsfirma, Friseurhausbesuch, Nottelefone, und vieles mehr. Aber das wichtigste: Es hat eine in 15 Jahren gewachsene Hausgemeinschaft, die sich gegenseitig hilft, sich zum Kaffee trifft und ein vertrautes Umfeld bietet, in dem sich besonders die sehbehinderten Bürger zurecht finden. Und nebenan ist ein großes Pflegeheim, wo man essen gehen kann in einer Umgebung nicht weit vom Stadtwald – für einige zum Spaziergang und behinderte zum angenehmen Anblick aus dem Fenster. Die Mieten sind erschwinglich. Die Bewohner fühlen sich rundum wohl bis, ja, bis der unmögliche Stadtratsbeschluß sie zum Freiwild für Auszieh-Bedrängungsgespräche durch die SWG macht und sich häufende Drängschreiben keinen mehr ruhig schlafen lässt! Das macht sie krank! Geht man so mit alten Menschen um? Können die Stadträte und Manager der SWG sich überhaupt vorstellen, welchen psychischen Terror sie veranstalten mit Menschen, die natürlich altersbedingt das alles sehr, sehr schwer nehmen? Aus dem vertrauten Umfeld – ja Stadtgebiet – will man sie rausreißen und in andere Häuser wie Kisten einstapeln, wo Wohnungen nicht belegt sind und keine Miete bringen. Keiner will dorthin. Als tolles Angebot serviert man Parterrewohnungen – die unbeliebteste Wohnungsart, für die alten Leutchen wohl gerade recht. Der Sohn eines rollstuhlabhängigen Vaters bekommt sogar als Ausweich .....nichts ...angeboten . Empört über soviel Rücksichtslosigkeit und Frechheit berichtet er das der Hausgemeinschaft. Wird der Abriß auch „rücksichtsvoll“ damit begründet, notwendige Modernisierungen für ein modernes Wohnen in dem Haus würde die Miete wachsen lassen, was sowieso keiner der Mieter bezahlen könne, so wird verschwiegen, dass die Ersatzwohnungen ja wohl nicht zu den günstigen Mietpreisen zu haben ist, wie die alten. Dabei wollen die Leute keine modernen Modernisierungen, kein gekacheltes Bad oder anderen Luxus: Sie sind zufrieden. Mit Hilfe der Kinder oder von Freunden haben sie sich in ihrer Wohnung schön eingerichtet und teilweise viel Geld ausgegeben. Allerdings haben sie ein Recht auf Reparaturen, die zur Zeit vielfach auf sich warten lassen. So sind in den Fluren noch die Tapeten des Baujahrs 1989 – will man das Haus absichtlich runterludern lassen, damit man Argumente für den „notwendigen“ nicht lohnenden Aufwand hat? Eine undichte Fensterecke muß natürlich repariert werden, deswegen muß man nicht alle Fenster erneuern. Und die Krone des ganzen: Es gab sogar ein Kaufangebot einer Firma, die dem Haus eine sanfte Sanierung angedeihen lassen und den Betreuungsdienst weiter ausbauen wollte. Abgelehnt!!!! Stur wird argumentiert: Das Haus muß wegen der Vorgabe „1000 Wohnungen“ abgerissen werden. Die Steuerzahler sollen um die erforderlichen Fördermittel des Freistaates erleichtert werden. Die wurden erst nicht genehmigt, weil kein aussagefähiges Stadtentwicklungskonzept vorläge. Nun werden sie wohl genehmigt, wenn die Stadt dieses nachreiche! Wer genehmigt hier im Freistaat Fördermittel ohne ausreichende Entscheidungsgrundlage zum Terror gegen alte behinderte Menschen und Profitbefriedigung? Hier sollte gründlichst von der Staatsregierung (Innenministerium) nachgewaschen werden, denn „eine Brücke freigeben und hinterher den Stempel der Tragfähigkeit nachreichen“- das kann doch nicht sein!? Und kann eine Staatsregierung dulden, dass eine Stadt nichts für die Lösung der Bereitstellung altersgerechten Wohnraumes in unserer älter werdenden Bevölkerungsstruktur tut? Nicht nur nichts, sondern das Gegenteil: Unsinniger in diesem Fall unmenschlicher Abriß vorhandener Lösungen d.h. altersgerechter Wohnungen gegen die Erfordernisse der Zeit??? Doch der örtliche und überregionale Widerstand wächst. Das „Wir lassen uns nicht rausschmeißen, wir ziehen nicht um, wir haben unsere größeren Wohnungen aufgegeben, um hier unseren Lebensabend zu verbringen...“ findet immer mehr unterstützende Verbände, Organisationen und Persönlichkeiten, wie das Beispiel des mit dem Bürgerpreis der Stadt 2007 ausgezeichneten und hochgeachteten Gottfried von Herder beweist. Helfen auch Sie!
Dr. Klaus-Dieter Mund Deutscher Mieterbund Mieterverein Freiberg |